Sperrgebiete und Naturschutz
Vor 1990 gab es in dem Gebiet zwischen dem Fischland Darss-Zingst und Westrügen vor allem
Sperrgebiete. Mal für die Nationale Volksarmee, mal für die Staatssicherheit oder zur Sicherung der Staatsgrenze vor illegalen Ein- (?) und vor allem Auswanderern oder für bzw. gegen wen und warum auch immer. Es entwickelten sich so die letzten Refugien der Natur im Zentrum Europas. Seltene Pflanzen und Tiere gediehen prächtig. Ohne Rücksicht auf staatliche Grenzen fand der grenzüberschreitende europäische Vogelzug einen Rastplatz inmitten der gesperrten Areale. Dieser Bedeutung Rechnung tragend, stellte die letzte Regierung der DDR am 12.09.1990 ca. 80.500 ha dieses sensiblen Ökosystems als Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft unter Schutz.
Mecklenburg-Vorpommern und sein Tourismus
Zu gleicher Zeit begann eine andere Entwicklung. Nach der geschützten und in weiten Teilen unversehrten Natur sehnten sich Menschen aus ganz Europa. Das statistische Landesamt Mecklenburg-Vorpommerns zählte 1992 im gesamten Bundesland ca. 9,4 Mio. Übernachtungen. Im Jahre 2003 schliefen 25,9 Mio. Besucher in den Betten mehr oder weniger nahe der Ostsee. Die Abenteurer kamen per Auto, Wohnmobil oder Schiff, um die einmalige Situation unmittelbar nach dem Fall der unsichtbaren doch stets präsenten Mauer zu erleben. Der Tourismus entwickelte sich zum neuen Stern am Wirtschaftshimmel Mecklenburg-Vorpommerns.
Sensationen, Sensationen, Sensationen
Die kostenintensiven Investitionen in diesem Wirtschaftsbereich verlangten stetig wachsende Besucherzahlen. Attraktionen mussten geschaffen werden. Wo eben noch ein Schmetterling über eine verträumte Wiese taumelte, erfreute man sich nun an den Segnungen der neuen Spaßbäder, Baumärkte und Einkaufszentren. Die Suche nach superlativen Urlaubsformen kannte keine Gnade. In der Presse und im Rahmen strategischer Werbekampagnen wurden die Bilder einer intakten Natur propagiert. Voran oft das beeindruckendste der Naturschauspiele in dieser Region, der abendliche Einflug der Kraniche auf ihre Schlafplätze.
Und deshalb wurde unser Verein gegründet!
Entweder glaubten die Verwaltungen und Verbände anfangs nicht an den Erfolg der Tourismusindustrie oder man war derart begeistert, dass man vergaß eine natur-und einwohnerverträgliche Touristenlenkung mit dazugehörigen Parkplätzen für Autos und Busse einzurichten. Auch fehlten Möglichkeiten Fotografen und Filmern die Kraniche am Tag bei der Nahrungsaufnahme zu präsentieren.
Am 24.09.1995 entschlossen sich 12 Vorpommern den Verein zum Schutze und Erhalt des Kranichrastplatzes Rügen-Bockregion e.V. zu gründen. Alle verzweifelten Journalisten, die versuchten unseren Vereinsnamen in ihren Artikeln neben weiteren Informationen unterzubringen seien an dieser Stelle um Verzeihung gebeten. Doch soll der Name ausdrücken, dass nicht nur der Kranich im Blickpunkt der Vereinstätigkeit steht, sondern in erster Linie der Schutz eines der bedeutendsten Vogelzugrastgebiete Europas.
Bei unserer Arbeit unterstützen uns heute 180 Mitglieder (Stand: Januar 2007) aus Österreich, den Niederlanden und dem gesamten Bundesgebiet.
Die Koordination der häufig gegenläufigen Interessen zwischen Jägern und Kranichfreunden, Landwirten und Nahrung suchenden Kranichen und vor allem der Schutz der Schlafplätze stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit. Um alle diese Ziele zu erreichen, setzten wir von Anfang an auf Kommunikation und Information. Wir richteten unmittelbar nach der Vereinsgründung den "Treffpunkt der Freunde des grauen Kranichs" ein. Im Herbst 1995 kehrten ca. 2000 Besucher auf eine heiße Tasse Tee, Kranichvideos und viele interessante Gespräche in die kleine Ausstellung ein. Doch auch der Unmut wuchs: „Wo kann ich denn nun Kraniche beobachten?“ Die Antwort konnten wir am 04. Oktober 1997 geben: im „Kranich-Utkiek“ in Hohendorf.
Unsere Mitglieder treffen sich einmal im Jahr zur Herbstrast der Kraniche zu unserer Mitgliederversammlung. Das Programm der jährlichen Versammlung ist jedes Jahr ähnlich. Am Freitag Abend reisen alle an und
wir treffen uns zu einem ersten kleinen Gedankenaustausch. Am folgenden Samstag steht dann eine kleine Fahrt auf dem Plan. Das Foto entstand auf unserer legendären Dampferfahrt mit der "MS Breege" - ein Ausflug in den "Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft" bei Sturm und mit Grundberührung. Das Nationalparkzentrum Jasmund war ebenso Ziel wie das Pilzmuseum, die Insel Koos sowie die Insel Vilm. Viele schöne Erinnerungen verbinden sich mit diesen Ausflügen. Am Sonntag steht dann nur noch ein kleiner Punkt auf dem Programm. Ein Stadtrundgang in Stralsund, ein Museeumsbesuch oder die Wanderung am Kliff von Barhöft bzw. um den Prohner See. In diesem Jahr werden wir uns ein Frühstück mit den Kranichen gönnen.